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Montag, 25. Juli 2011

Bulat Tschagajew


Totale Legende der Typ. Doch lasst mich ein wenig ausholen. Vor wenigen Monaten hatte er Neuchâtel Xamax vor dem finanziellen Ruin gerettet. Sportlich sollte es auch nach oben gehen, Champions League ist seine klare Vision. Letzte Saison erreichte man immerhin das Cup-Finale. Jedoch logisch, dass man da gegen Sion unterliegt. Dies trotz tschetschenischer Morddrohungen zur Halbzeitspause in der Spielerkabine. Im Sommer hat man sich mit Spielern wie David Navarro (Valencia), Logan Bailly (Mönchengladbach) oder Victor Sanchez (Getafe, Barcelona) verstärkt und nebenbei holte man mit Sonny Anderson einen ehemaligen Servette-Stürmer mit Weltklasseformat als Sportchef auf die Bank (da er die nötigen Trainer-Lizenzen nicht besitzt). Dafür liess man sportliche Stützen und Identifikationsfiguren wie Raphael Nuzzolo oder Frédéric Page trotz laufenden Verträgen zum Nulltarif gehen. Auch wurden vor dem ersten Spiel sämtliche grossen Sponsoren (inkl. Xamax-Legende Facchinetti bzw. dessen Bauunternehmen) abgesägt, da sie nicht zum Image des Vereins passen würden. In der Maladière werden die Einblendungen auf der Leinwand übrigens in die tschetschenische Sprache übersetzt und das Vereinswappen wurde auch abgeändert.

So lief die Xamax-Elf zum ersten Spieltag ohne Sponsor auf der Brust im heimischen Stadion gegen Luzern auf und verlor prompt mit 0:3. Der Schuldige war bald ausgemacht. Ein Tag nach der Niederlage musste Torwart Ricardo Galatto, der gerade einmal wenige Tage zuvor als Ersatz für den verletzten Bailly verpflichtet wurde, seine Sachen wieder packen. Auch Federico Almerares, der vor einem halben Jahr von Meister Basel in die Romandie wechselte, liess man ziehen. Im zweiten Saisonspiel stand dann also Jean-François Bédénik zwischen den Pfosten, der eigentlich als Nummer Drei in die Saison startete. Auch dieses Spiel verlor man, was im Joggeli ja schon der ein oder andere Verein erlebt hat. Und am Torwart lag es diesmal nicht. Aber für Tschagajew waren wenige Minuten nach dem Schlusspfiff die Schuldigen wieder gefunden. Der gesamte Trainerstab musste den Hut nehmen. Trainer Ciccolini, Sportchef Anderson sowie Torwarttrainer Ettori. Und den Spielern Binya (Eigentor) und Carlão (kam vor 10 Tagen erst nach Neuenburg und gewann gegen Basel gefühlte 0 Zweikämpfe) wurde naheglegt, sich einen neuen Verein zu suchen. Und als wäre dies alles nicht genug, hat heute Montag der allmächtige Investor Tschagejew tatsächlich noch den Präsidenten Rudakow gefeuert. Trotzdem dürfe er weiterhin mithelfen, Transfers zu tätigen. Aha, nett. Als Nachfolger steht Islam Satujew bereit, die rechte Hand des Chefs. Der soll bereits im Joggeli Anweisungen vom Boss aus der Loge direkt auf die Bank weitergegeben haben. Wetten, dass das noch lange nicht das Ende ist?

Tschagajew ist dermassen ignorant, dass er es in zwei Wochen schafft, 15 Jahre Christian Constantin völlig in den Schatten zu stellen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich diese ganze Affäre um den tschetschenischen Investoren noch weiterentwickelt und wie lange der Verband noch tatenlos zusieht.

Nachtrag: Mittlerweile machte Bulat Tschagajew den Rausschmiss von Carlão rückgängig. Wohl aus dem Grund, dass Xamax ansonsten über keine gelernten Stürmer mehr verfügt.

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